Ihr Board ist für viele Skater der Inbegriff von Jugend und Freiheit. Da ist es wenig überraschend, dass immer mehr Ältere dieses oft verloren gegangene Gefühl konservieren möchten. Der Sound des Skateboards ist unverkennbar. Das Surren, Klackern und Rollen erkennt ein Skater schon von weitem. Er verbindet es mit grenzenloser Freiheit und Mobilität. Wer in seiner Jugend das Board lieben und schätzen gelernt hat, kehrt oft Jahre später wieder zurück.

Doch die Zeiten haben sich verändert. Die Bewegungen sind nicht mehr so flüssig, die Bereitschaft volles Risiko zu nehmen ist nicht mehr da und die Stürze tun so richtig weh. Doch das berauschende Gefühl kehrt zurück, sobald man wieder losgerollt ist. Für Skater ist die Stadt schließlich ein einziger Hindernis-Parcours, der „bespielt“ werden möchte. Sie nehmen die urbane Umgebung anders wahr als andere Menschen. Die Gemeinschaft zählt, das Lebensgefühl lässt sich für Außenstehende nur schwer erklären.

Die verlorene Jugend zurückholen?

Für Skater, die nach Jahren ihre Leidenschaft wieder neu entdecken, hat die Szene längst eigene Begriffe erfunden. Die Skategeezer oder Rad Dads werden immer mehr. Sie mischen sich unter die jugendlichen Alleskönner und sehnen jene Zeit zurück, in der noch alles möglich erschien. Die entsprechenden Gruppen in den sozialen Medien freuen sich über regen Zulauf. Dort tauschen sich die Very Old Skateboarders and Longboarders zu Tausenden aus. In der freien Wildbahn unterscheiden sie sich optisch auf den ersten Blick gar nicht so sehr von jener Generation, die ihnen auf dem Board nachgefolgt ist. Die zerschlissenen Sneakers, eine Zigarette hinter dem Ohr und die stolz präsentierten Verletzungen vom letzten missglückten Stunt einen alle Generationen der Skater gleichermaßen. Darunter befinden sich alle Altersgruppen bis weit in die 40er, manche etwas gesetzter, doch alle gleichbleibend motiviert. Ob Lehrer, Angestellter oder Rechtsanwalt, sie alle sind der Faszination der Boards neu oder nochmals erlegen.

Schritt für Schritt zurück an die Front

Die Herausforderungen sind sowohl für Anfänger, als auch Routiniers die gleichen geblieben. Die ersten Übungen erfolgen noch abseits neugieriger Blicke. Wer will sich schließlich gleich zu Beginn bis auf die Knochen blamieren? Sind die ersten Tricks geschafft, geht es daran den Körper zu testen. Wie reagiert er auf die ersten Stürze, wie lange dauert die Erholung? Die Rampen gewinnen mit der Zeit genauso an Fahrt, wie das Tempo. Sie werden höher, anspruchsvoller und begehrenswerter. Balance und Körperhaltung kehren zurück und lassen die Glückshormone strömen.

Schritt für Schritt zurück an die Front
Schritt für Schritt zurück an die Front

Ein Lebensgefühl wird erwachsen

Für einen Nachmittag gehört der Park nebenan nur einem selbst, die Welt außerhalb der Skater-Szene bleibt der emotionale Zugang verschlossen. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit der 60er Jahre, selbst wenn man diese selbst nicht erlebt hat. Als die ersten jugendlichen Surfer Rollen unter ihre Bretter schraubten und die leeren Swimmingpools eroberten. Diese Coolness hat Tradition. Das haben mittlerweile auch die etablierten Unternehmen, allen voran die Modeindustrie entdeckt. Nächstes Jahr wird Skateboarden sogar olympisch. Sie möchte am Flair und dem Flow der Bewegung teilhaben. Den Skateboardern ist das größtenteils egal. Sie genießen das Gefühl unbändiger Freiheit und planen längst den nächsten großen Trick.